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Wanderlustig – unterwegs auf dem Stubaier Höhenweg

by Marie

Nach einer gefühlten Ewigkeit verbrachte ich letzten Juli einen Urlaub mit meinen Eltern in den Bergen. Genau genommen im Stubaital mit dem Ziel ein paar Etappen des Stubaier Höhenwegs zu wandern.

In meinen Teenagerjahren war mir diese Art des Urlaubs verhasst. Wandern erschien mir todeslangweilig und überhaupt: können wir nicht auch einfach in ein Flugzeug steigen und Strandurlaub verbringen, so wie alle meine Freunde?

Heute muss ich über diese Einstellung schmunzeln. Denn wenn ich damals ehrlich zu mir gewesen wäre, hätte ich eingesehen, dass ich Wanderurlaub schon immer geliebt habe.

wandern Stubaier Höhenweg

Und so steige ich in das bis zum Anschlag vollgepackte Auto meiner Eltern, für die Minimalismus beim Packen ein Fremdwort zu sein scheint, und düse gen Süden. Unser Ziel ist das Stubaital, wo ich mit meinem Vater ein paar Etappen des Stubaier Höhenwegs bestreiten werde.

Der Rest der Familie (Schwester, Mama und Hund) drückt sich vor dem anstrengenden Wanderweg und bleibt im Tal zurück, wo wir alle gemeinsam nach unserer Rückkehr noch ein paar Tage verbringen werden.

Bevor ich euch von meinen Erfahrungen auf dem Stubaier Höhenweg berichten werden, kommen hier erstmal ein paar Fakten zu dem Wanderweg.

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Wissenswertes über den Stubaier Höhenweg

Fast 100 Kilometer ist der Stubaier Höhenweg lang und man legt über 8.000 Höhenmeter zurück, wenn man den ganzen Weg beschreitet. Der Weg führt ausschließlich durch alpines Gelände. An manchen Abschnitten muss man sogar etwas an Stahlseilen entlang klettern. Ich würde den Höhenweg daher nur geübteren und fitteren Wanderern empfehlen, denn die Route ist durchaus herausfordernd. 

Eine weitere Besonderheit des Höhenweges ist, dass man ihn auch etappenweise begehen kann. Von jeder der acht Hütten ist ein Auf- und Abstieg möglich. Daher muss man nicht direkt am Anfang entscheiden, ob man den kompletten Weg zurücklegen kann und will. 


Gepäck auf dem Stubaier Höhenweg

Dass dieses Mal alles anders ist, merke ich bereits bevor wir losmarschieren. Trugen meine Eltern in meiner zarten Jugend sonst immer Equipment, Proviant und Wechselklamotten den Berg hinauf, schultere ich nun meinen, zugegebenermaßen nur 6 kg schweren Rucksack selbst.

Mein Vater legt auch bei der Auswahl der Ausrüstung weniger Wert auf Minimalismus. Dies beweist, dass er seinen elektrischen Rasierer unbedingt mit auf die Hüttentour nehmen muss. Die Erklärung die er für diesen zusätzlichen Ballast im Petto hat, scheint mir ebenso schleierhaft: Meine Mutter würde ihn ja sonst nach unserer Rückkehr, 3 Tage später, nicht wiedererkennen, würde er sich unterwegs nicht rasieren. Gut, dass wir das geklärt haben!

Ich kann jedem nur empfehlen so wenig wie möglich mitzuschleppen, denn nach einigen Stunden macht sich jedes Extragramm bemerkbar. Außerdem sollte man auf einen gutsitzenden Rucksack achten. Beim Rucksackkauf empfehle ich immer mehrere aufzusetzen, denn dann merkt man recht schnell die Unterschiede zwischen einem gut und einem weniger gut sitzenden Rucksack.


Die Etappen des Stubaier Höhenwegs

Sieben Etappen ohne Auf- und Abstieg ist der Stubaier Höhenweg lang. Man kann den Weg auch von beiden Seiten aus begehen und entweder an der Starkenburg Hütte oder an der Innsbrucker Hütte starten. Wir starteten mit dem Aufstieg zur Starkenburg Hütte. 

Ich werde dir jetzt die Etappen, die ich gewandert bin vorstellen sowie einen kleinen Überblick über den restlichen Weg geben. 

Aufstieg zur Starkenburg Hütte

Starkenburger HütteUnsere erste Etappe führt uns zur Starkenburger Hütte und ist die einfachste der geplanten Etappen. Dementsprechend früh erreichen wir auch unser Ziel und entspannen auf der netten Sonnenterrasse, die einen atemberaubenden Rundblick bietet.

Das Abendessen ist ausgezeichnet und die Stockbetten im Lager sind ziemlich bequem. Es empfiehlt sich jedoch Ohrstöpsel mitzunehmen, denn die Wandersleute sind ziemlich heftige Schnarcher und die, die nicht schnarchen, beschweren sich gerne ausgiebig über die Ersteren.

Bereits um kurz vor 6 ist an Schlaf nicht mehr zu denken und alle machen sich auf, um die nächste Etappe zu bestreiten. Es ist ein erhabenes Gefühl schon so früh auf dem Berg zu sein und die Wolken aus dem Tal an sich vorbeiziehen zu sehen, die frische Luft zu atmen und sich lebendig zu fühlen. 

Von der Starkenburger zur Franz-Senn-Hütte – Etappe 1 auf dem Stubaier Höhenweg

Morgendlicher Nebel AlpenDie zweite Etappe führt uns von der Starkenburger Hütte zur Franz-Senn-Hütte und ist um einiges anspruchsvoller. Unterwegs bereue ich es mich nicht doch ein wenig auf diesen Trip vorbereitet zu haben. Ein bisschen Training hätte wohl nicht geschadet.

Mein Vater hingegen scheint keinerlei Anstrengung zu verspüren und flitzt die Berge nur so hinauf. Nach sieben Stunden strammen Fußmarsches erreichen wir endlich die ersehnte Hütte, wo ich mir erst einmal ein Bier genehmigen muss. Schon jetzt spüre ich, dass mich am nächsten Tag ein ziemlich heftiger Muskelkater heimsuchen wird.

Diese Etappe ist knapp 15 Kilometer lang und es werden etwa 970 Höhenmeter überwunden.


Von der Franz-Senn zur Regensburger Hütte – Etappe 2 auf dem Stubaier Höhenweg

müde Kuh AlpenDie nächste und letzte unserer Etappen führte uns zur Regensburger Hütte und soll nur 4 Stunden in Anspruch nehmen. Allerdings werden in diesen 4 Stunden über 1000 Höhenmeter zurückgelegt, hauptsächlich über Geröllfelder.

Warum zur Hölle bin ich nicht wenigstens ein paar mal joggen gegangen, frage ich mich, und seit wann sind sechs Kilo so verdammt schwer? Als wir endlich den höchsten Punkt der Etappe erreicht haben, bin ich am Ende meiner Kräfte angelangt. Der Ausblick jedoch ist bombastisch und der Anblick eines Schneefeldes lässt mir bewusst werden, wie weit oben wir uns bereits befinden.

Für einen kurzen Moment vergesse ich meine reibenden Wanderschuhe und die Tatsache, dass uns an diesem Tag noch der Abstieg ins Tal bevorsteht. Noch einmal atme ich die kristallklare Luft ein, bevor mich die Realität wieder einholt.


Abstieg von der Neuen Regensburger Hütte ins Tal

Der Abstieg verläuft ziemlich schweigsam und ich komme nicht umhin meine mangelnde Fitness das eine ums andere Mal zu verfluchen. Die schlauen Sprüche meines Vaters wie „runter kommt man immer“ helfen mir in dieser Situation der Entkräftung nur bedingt. Mühsam schleppe ich mich die letzten Meter ins Tal hinab. Alleine der Gedanke endlich diese verflixten Wanderschuhe ausziehen zu können treibt mich an.

Als es dann endlich so weit ist, fühle ich mich als wären Weihnachten und mein Geburtstag auf einen Tag gefallen! Noch nie haben sich meine Beine so leicht angefühlt und noch nie haben die Spätzle so gut geschmeckt.

Wir unternahmen den Abstieg ins Tal am selben Tag, wie die Etappe von der Franz-Senn-Hütte zur Regensburger Hütte. Da wir nicht alle Etappen erwandert haben, stelle ich dir hier noch kurz den Rest des Stubaier Höhenwegs vor. 

Etappe 3: Von der Neuen Regensburger Hütte zur Dresdner Hütte

Eine der anspruchsvollsten Etappen ist die Etappe von der Neuen Regensburger Hütte zur Dresdener Hütte. Es werden ganze 1.750 Höhenmeter überwunden auf 11,4 Kilometern. Allerdings soll dieser Teil wegen seinen tollen Aussichten auf die Gletscherlandschaft des Stubais auch mit der beeindruckendste sein. 

Etappe 4: Von der Dresdner Hütte zur Sulzenau Hütte

Wieder etwas entspannter ist die vierte Etappe von der Dresdner zur Sulzenau Hütte. Es werden 900 Höhenmeter überwunden auf 4,1 Kilometern Länge. Wer will, kann noch einen Abstecher zu einem Moränensee unternehmen, der wegen seiner intensiven Farbe auch “blaue Lacke” genannt wird.

Etappe 5: Von der Sulzenau Hütte zur Nürnberger Hütte

Unter Wanderern gilt diese Etappe als schönste. Auf 5 Kilometern werden 1.200 Höhenmeter überwunden. Man kann sich unterwegs zwischen zwei Wegoptionen entscheiden. 

Etappe 6: Von der Nürnberger Hütte zur Bremer Hütte

Dieser Teil der Strecke wird als Paradies bezeichnet. Man kann eindrucksvoll sehen, wie der Gletscher die Landschaft geformt hat. Die Etappe ist 5 Kilometer lang und es werden 1.050 Höhenmeter zurückgelegt. 

Etappe 7: Bremer Hütte zur Innsbrucker Hütte

Die letzte Etappe des Stubaier Höhenwegs hat es nochmal in sich und sollte nur von geübten Wanderern und bei gutem Wetter begangen werden. Auf 9,5 Kilometern und über 1650 Höhenmetern wird die Kondition nochmals auf die Probe gestellt. 

Da diese Etappe so schwierig ist, entschieden wir uns dazu bei der Starkenburg Hütte zu starten. 


Entspannung im Stubaital

Neustift See

Noch immer leicht vom Muskelkater gebeutelt verbringe ich die nächsten Tage am See, unternehme kleinere Wanderungen und genieße das leckere österreichische Essen.

Ich kann dir nur empfehlen dich etwas besser vorzubereiten. Insbesondere, wenn du den gesamten Höhenweg begehen willst. Man befindet sich auf hochalpinem Terrain und überwindet eine ganz schöne Menge an Höhenmetern. Dies ist nicht zu unterschätzen. Dennoch ist der Weg einfach traumhaft und die ganze Bewegung an der frischen Luft zahlt sich sehr aus. 

So erholt habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Liebes Stubaital, ich komme wieder und das nächste Mal mit Muskeln aus Stahl!

Mehr Reisetipps

Wir wandern immer wieder gerne und wollen dir hier ein paar schöne Routen und Wanderregionen in Deutschland vorstellen, die um einiges weniger anspruchsvoll sind und entspannt im Rahmen eines Tagesausflugs erlebt werden können.

  • Auf in den Hunsrück! Die Region ist ein echtes Wanderparadies und hat einige richtige Premiumwanderwege zu bieten. Erstaunt war ich von den abwechslungsreichen Wegen und den ganzen Burgruinen, die man unterwegs besuchen kann.
  • Das Monbachtal bei Bad Liebenzell gehört zu mich zu einem der schönsten Orte in ganz Deutschland. Wir stellen dir die Wanderung durch das verwunschene Tal nochmal genauer vor.
  • Mummelsee und Hornisgrinde sind zwei echte Klassiker im Nordschwarzwald und ein tolles Ausflugsziel für die ganze Familie, da einige der Wege auch barrierefrei sind.
  • Ebenfalls im Schwarzwald liegt das Mühlendorf Ottenhöfen, welches tolle Wanderwege voller Geschichte und Kultur bietet.
  • Wer weiter im Norden wohnt, der sollte unbedingt unsere Tipps für Monschau lesen. Das kleine Dorf in der Eifel ist nicht nur selbst sehr charmant, sondern auch der perfekte Ausgangsort für eine Wanderung in der Eifel.

Zusammenfassung
Wandern auf dem Stubaier Höhenweg
Artikelname
Wandern auf dem Stubaier Höhenweg
Beschreibung
Marie war im Sommer 2015 gemeinsam mit ihrem Vater auf dem Stubaier Höhenweg wandern und berichtet von ihren Erlebnissen.
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Erschienen auf
Worldonabudget
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4 comments

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Tobias 2. März 2016 - 12:18

Danke für deine Impressionen. 🙂
Der Stubaier Höhenweg steht weit oben auf meiner alpinen To-Do-Liste…

Das mit der mangelnden Fitness und den blöden Sprüchen der Wanderbegleitung kenne ich übrigens auch noch sehr gut aus dem Steinernen Meer. 😉

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Marie
Marie 2. März 2016 - 19:59

Hallo Tobias 🙂

vielen Dank für deinen netten Kommentar und viel Spaß auf deiner hoffentlich bald bevorstehenden Wanderung auf dem Höhenweg. 😉

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Barbara Marzok 27. Juli 2018 - 14:35

Vor 18 Jahren bin ich mit zwei Freunden auch den Stubaier Höhenweg gegangen. Jedoch von der anderen Seite aus; also zuerst zur Innsbrucker Hütte, dann Bremer und Nürnberger Hütte. Die Sulzenau Hütte haben wir übersprungen,da haben wir nur eine kleine Rast gemacht und sind dann weiter bis zur Dresdner Hütte, wo wir abgestiegen sind. Im Jahr darauf bin ich dann alleine anders herum gegangen. Also zuerst die Starkenburger Hütte, dann Franz-Senn Hütte, Neue Regensburger Hütte und zum Schluss wieder die Dresdner Hütte, wo ich wegen schlechten Wetters absteigen musste. So habe ich den Stubaier-Höhenweg quasi in 2 Etappen erwandert und ich zehre heute noch davon. Es waren unvergessliche Tage und bis heute träume ich davon wenigstens noch einmal eine Hälfte des Weges wandern zu können. Leider sind meine finanziellen Möglichkeiten sehr begrenzt. Ich bin inzwischen Frührentnerin mit einer Mini-Rente und lebe außerdem in Schweden. Da wäre alleine die Anreise schon budgetsprengend. Aber hier in Schweden gibt es ja auch genügend Wanderwege. Aber eben nicht den Stubaier Höhenweg.
Liebe Grüße aus Schweden
Barbara

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Marie
Marie 30. Juli 2018 - 15:12

Liebe Barbara,

das klingt fantastisch. Mein Plan ist es auch den Weg von dern anderen Seite zu vollenden. Einfach magisch so früh am Morgen schon so weit oben am Berg zu sein. Ich wünsche dir ganz fest, dass du noch einmal zurückkehren kannst oder in Schweden einen Wanderweg findest, der dich genauso in seinen Bann ziehen kann.

Ganz liebe Grüße nach Schweden

Marie

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