Home Die große Reise Gefühlte Nahtoderfahrungen auf dem Weg nach Semuc Champey

Gefühlte Nahtoderfahrungen auf dem Weg nach Semuc Champey

by Marie

Semuc Champey liegt wirklich am Arsch der Welt. Acht Stunden soll unsere Anreise von Flores nach Lanquin, der nächstgelegenen Stadt, laut dem windigen Tourenanbieter dauern. Dass man sich auf deren Zeitangaben nicht so ganz verlassen kann, wussten wir bereits seit unserem Ausflug nach Tikal. Organisiert haben wir unsere Anreise mit eine, Shuttle. Anders ist es auch nicht möglich an einem Tag von Flores nach Semuc Champey zu kommen.

Anreise von Flores nach Semuc Champey in Guatemala


Von „Banditen“ verfolgt auf dem Weg von Flores nach Semuc Champey

Schon zu Beginn der Reise ist die Straße sehr abenteuerlich. Eine Flussüberquerung stand an und unser Fahrer raste wie ein Berserker über die von Schlaglöchern gespickte Straße. Als wir nach vier Stunden an einer Raststätte ankamen, war mir bereits kotzübel. Vermutlich machte sich hier der fiese Parasit aus Flores wieder bemerkbar.

An der Gaststätte lungerten auch ein paar seltsame Typen rum, die uns und die anderen Touris aus dem Kleinbus aufmerksam musterten. Sie warteten auf einen älteren Herren, der genüsslich ein Pollo Frito verspeiste und den Style eines Bosses perfektioniert hatte (vielleicht schaue ich einfach zu viele Gangsterfilme).

Nationalpark Semuc Champey in GuatemalaZu meiner Beruhigung trug nicht gerade bei, dass sich diese zwielichtige Truppe zur selben Zeit wie wir auf die Weiterreise begab. Eine ausführliche Internetrecherche zum Thema Überfälle in Guatemala war wohl nicht die beste Reisevorbereitung!

Meine Hände waren schon etwas schwitzig, als ich aus der Heckscheibe den Pickup des „Gangsterbosses“ erspähte, der uns wenige Minuten später überholte. „Die Masche kenne ich!“, dachte ich mir und war keineswegs erfreut die „Banditen“ nicht mehr im Blick zu haben.

Die restliche Stunde, die sich unser Minibus quälend langsam durch das Hochland schlängelte, waren nervenaufreibend. Wo werden die Banditen auf uns lauern? Werden sie einen Stein auf die Straße rollen, um uns zum Anhalten zu zwingen? Meine Fantasie ging etwas mit mir durch und ich schmiedete schon Notfallpläne für den Fall der Fälle. Natürlich ist dann doch nichts passiert und die von mir identifizierten „Banditen“ ließen sich nicht wieder blicken.


Die letzten zehn Kilometer nach Lanquin

Brücke auf dem Weg in den Nationalpark von Semuc Champey in Guatemala. Mutige können hier auch Brückenspringen.Wie erwartet war die Angabe einer achtstündigen Fahrtzeit etwas untertrieben. Stunde um Stunde verging, ohne dass wir ein Schild  mit der Aufschrift Lanquin erspähen konnten. Mittlerweile wurde es bereits dunkel (erhöhte Überfallsgefahr!) und es begann zu schütten, zu blitzen und zu donnern.

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, kam die ersehnte Abzweigung nach Lanquin. Nur noch zehn Kilometer bis zu unserem Ziel! Die Rechnung hatten wir leider ohne die Straße gemacht, die die Bezeichnung Straße nicht verdiente.

Im Schneckentempo und kompletter Finsternis hangelte sich unser Bus über die Schotterpiste. Dass wir uns direkt am Abgrund befanden, konnten wir nur durch die zahlreichen Blitze erkennen, die diese schaurig schöne Szenerie in regelmäßigen Abständen beleuchteten. Der Wind blies wie verrückt und nur wenige Meter vor uns kippte ein ausgewachsener Baum auf die Straße.

Gut, dass unser Fahrer über eine Machete verfügte und der arme Mann begann im strömenden Regen den Baum in seine Einzelteile zu zerhacken, damit wir unseren Weg endlich fortsetzen konnten.


Eine Ankunft mit Schrecken

Anderthalb Stunden hatten wir für die letzten zehn Kilometer gebraucht. Heilfroh angekommen zu sein wollten wir nur noch in die Zephyr Lodge, die wir uns vorher ausgeguckt hatten. Bei einem vorherigen Anruf wurde uns gesagt, dass vorzeitige Reservierung nicht möglich wäre und wir einfach so vorbeikommen sollten. Doch irgendwie war der Wurm drin.

Schwimmen in natürlichen Pools in Semuc ChampeyBeim Aussteigen begrüßte uns Lanquin in völliger Dunkelheit. Der Strom war aufgrund des Unwetters ausgefallen. Eine Horde Schlepper wartete bereits auf unser Shuttle und stürzte sich auf uns. In dem ganzen Gewusel fanden wir irgendwann heraus, dass die Zephyr Lodge sowie alle anderen Unterkünfte in Lanquin bereits voll waren. Lediglich eine Unterkunft namens Zapote im „nur“ zehn Kilometer entfernten Semuc Champey hatte noch Betten frei.


Wenn man schon kein Glück hat, dann kommt auch noch Pech hinzu

Wir hatten keine Wahl und folgten dem jungen Kerl zu einem Pickup. Auf dessen Ladefläche stießen wir auf drei Franzosen, die schon seit einer dreiviertel Stunde darauf warteten weiterzufahren. Da saßen wir nun zu fünft auf der Ladefläche eines uralten Pickups, dessen Fahrer wir nicht kannten, in völliger Dunkelheit, um uns an einen unbekannten Ort bringen zu lassen. Die Franzosen sangen mit engelsgleicher Stimme alte Kriegslieder und wir warteten und warteten bis es nun endlich losgehen konnte.


Männer mit Macheten oder von Lanquin nach Semuc Champey

Eine halbe Stunde später hatte sich auch das letzte Touristenshuttle bis nach Lanquin durchgekämpft und die letzten Gestrandeten, drei Italiener, gesellten sich zu unserer lustigen Runde dazu. Da standen wir nun inmitten unserer Rucksäcke und machten uns auf in die stockfinstere Nacht über eine noch beschissenere Straße. Mir war mittlerweile alles egal, sofern wir endlich mal irgendwo halbwegs unversehrt ankommen würden. Der Pick Up fuhr aufgrund der Straßenverhältnisse im Schneckentempo, als aus dem Nichts plötzlich zwei Männer mit blitzenden Macheten auf den Truck aufsprangen. Ich war im ersten Moment kurz vor einem Herzstillstand und dachte, dass wir jetzt ausgeraubt würden oder noch schlimmeres…

Marie badet in den natürlichen Pools von Semuc Champey in GuatemalaDie Männer waren lediglich auf dem Heimweg und plauderten freudig mit den Italienern drauflos. Nochmal Glück gehabt!


Ernüchterung bei der Ankunft in Semuc Champey

Zapote ist, insbesondere verglichen mit der Zephyr Lodge, sehr rustikal. Statt Pool erwartete uns eine Matratze im Massenschlafsaal auf dem Boden in völliger Finsternis (auch hier herrschte natürlich Stromausfall). Mir stand die Enttäuschung und Anstrengung des Tages ins Gesicht geschrieben und Chris tat sein Bestes, um mich aufzumuntern. Klappte jedoch nicht ganz. Wir aßen beide noch eine gigantische Portion Spaghetti, die zugegeben richtig lecker waren und begaben uns in unser schroffes Schlafgemach, froh den zahlreichen Gefahren des Tages entkommen zu sein.

Schwimmen in den natürlichen Pools von Semuc Champey bei Lanquin in GuatemalaNatürlich ist die Darstellung unserer abenteuerlichen Anreise etwas überzogen und am nächsten Tag stellte sich unsere Unterkunft als ganz nett heraus. Welche unvergesslichen Abenteuer wir im Nationalpark verbrachten und warum Semuc Champey trotz beschwerlicher Anreise ein wahres Schmuckstück ist, kannst du hier erfahren.

**Da wir die ganze Fahrt zu sehr mit den allgegenwärtigen Gefahren beschäftigt waren, haben wie keine Fotos geknipst. Darum bekommt ihr hier schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf die Schönheit Semuc Champeys**


 Hast du auch schon einmal eine abenteuerliche Anreise in Kauf genommen, um an einen wunderschönen Ort zu kommen? Warst du selbst schon in Semuc Champey? Wie verlief deine Anreise? Wir freuen uns wenn du deine Erlebnisse mit uns in den Kommentaren teilst!  


 

Zusammenfassung
Von Flores nach Semuc Champey - Nahtoderfahrungen
Artikelname
Von Flores nach Semuc Champey - Nahtoderfahrungen
Beschreibung
Die Fahrt von Flores nach Semuc Champey war gespickt von so allerlei Gefahren. Manche real und manche eingebildet. Gut, dass wir es überlebt haben!
Autor
Erschienen auf
Worldonabudget
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6 comments

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Aras Orhon 12. September 2016 - 7:52

Den Bericht habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen, weil wir planen, bald selbst Flores zu besuchen. Einige Vorbehalte hatte ich noch, aber das lässt sich jetzt entkräften und Christiane, meine Frau, die mir wegen Flores ohnehin schon lange in den Ohren liegt, wird sich freuen.

Kleiner Hinweis: 2 Bilder in diesem Bericht lassen sich im Safari Browser nicht darstellen, das liegt wohl daran, dass Ihr in den Titeln Umlaute benutzt. Wir haben am Anfang leider den gleichen Fehler begangrn und mussten, als wir es bemerkten, nachträglich einige Dutzend Bilder neu beschriften.

Gruss

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Aras Orhon 12. September 2016 - 8:48

Korrektur: unser Flores liegt in Indonesien, ist sicher nicht weniger schön als das, welches Ihr besucht habt.

Gruss Aras

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Marie
Marie 12. September 2016 - 17:36

Hallo Aras,

die Verwechslung ist uns auf der Suche nach Infos über das guatemaltekische Flores auch oft passiert. Über den indonesischen Namenszwilling findet man um einiges mehr :D. Hier schon einmal viel Spaß im anderen Flores.

Und vielen Dank für den Hinweis. Der Fehler sollte jetzt behoben sein.

Liebe Grüße
Marie

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Aras Orhon 13. September 2016 - 17:19

fein, die Bilder sind nun auch mit Safari sichtbar.

Gruss und weiterhin alles Gute

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Mel - www.kindimgepaeck.de 17. September 2016 - 23:13

Oh man, ich kann mir das so richtig gut vorstellen. Mittlerweile muss ich sagen, zu zweit geht das noch, aber wenn du dann noch ein Baby oder Kleinkind dabei hast, da drehst echt am Rad 😉

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Chris
Chris 19. September 2016 - 1:19

Das können wir uns vorstellen. Mit Kind muss das echt nicht sein!

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