Home Die große Reise Havanna – Kubas schillernde Hauptstadt

Havanna – Kubas schillernde Hauptstadt

by Marie

Havanna, die Hauptstadt Kubas, lässt sich schwer in Worte fassen. Es ist eine lebendige, stets pulsierende Metropole voller Musik und Stimmengewirr. Neben prächtigen Bauten stehen ausgebrannte Häuserskelette. Die Gegensätze und Zwiespältigkeiten, die uns auf unserer Reise immer wieder erstaunt haben, zeigen hier ihre extremste Form. Bei einem Streifzug durch Havanna kann man an jeder Ecke etwas Interessantes entdecken.

Unser neues Zuhause im Zentrum

Straße in Centro Havanna.

Unsere Casa Particular befand sich in der Calle Trocadero in Centro Havanna. Dieser Stadtteil ist der mit Abstand am dichtesten bevölkerte des ganzen Landes und hier kann man prima das Alltagsleben beobachten. Da die Casa von Raquel und Pablo neben einem geräumigen Zimmer auch einen kleinen Balkon zur Straße hin zu bieten hatte (Zimmer für 17-30 CUC die Nacht, je nach Verhandlungsgeschick), verbrachten wir eigentlich jeden Abend ein paar Stunden damit die Geschehnisse auf der Straße zu beobachten. Kinder spielten mit selbstgebastelten Drachen, Panadero Verkäufer priesen lautstark ihre Waren an, ein Chor sang jeden Abend das gleiche traurige Lied und wir waren stille Beobachter des lustigen Treibens. Natürlich verbrachten wir die 6 Tage in Havanna nicht ausschließlich auf dem Balkon, sondern stürzten uns mitten hinein in das wilde Großstadtleben.

Centro Havanna für Hungrige

Oldtimer vor dem Capitolio in Havanna.

Centro Havanna ist gespickt mit diversen Cafeterien und Snackmöglichkeiten für den kleinen Geldbeutel. In der Nähe unseres neuen Zuhauses machten wir schnell eine Snackbar namens Cafeteria Super M&M aus, die das klassische Pan con Tortilla (Brot mit Omelette) mit Gurke und Senf aufpimpte. Eine willkommene Abwechslung! Etwas gehobener speisen kann man bei Castas & Tal, das moderne Abwandlungen der typischen kubanischen Gerichte, sehr nettes Personal und blitzsaubere Toiletten anbietet. Auch das kleine Restaurant Dos Pelotas, das kreolische Fleischgerichte mit Reis reicht, sticht durch die Benutzung von frischen Kräutern und Gemüse hervor. Zu eilig sollte man es hier jedoch nicht haben, denn wir mussten knapp 1 Stunde auf unser Essen warten. Wer schnell seinen Hunger stillen möchte, sollte der Calle San Rafael einen Besuch abstatten. Zahlreiche Snacks werden hier gereicht und zahlreiche Menschen tummeln sich auf der Straße, die eine Verlängerung der Calle Obispo darstellt. Hervorragende Pizzen bekommt man bei El Cubanito, leicht zu erkennen an dem großen Ansturm. Auf der Calle San Rafael fielen uns auch zum ersten Mal Obdachlose auf, die man in den anderen Städten Kubas kaum zu Gesicht bekommen hatte.

Die Calle San Rafael mündet in einen kleinen Park, der stets gut besucht ist, da es dort WLAN von dem Anbieter ETECSA gibt. Eine beliebte Möglichkeit Geld zu verdienen, scheint hier der Erwerb und Weiterverkauf von Internetzugängen zu sein.

Das mit Abstand beeindruckendste Essen auf unsere Reise erhielten wir im Los Nardos. Gigantische Portionen, das rustikale Ambiente und die Essensqualität machen das Los Nardos zu einer Institution in der Restaurantszene Kubas. Die Preise sind für das, was man geboten bekommt überraschend günstig und ein Pianospieler rundete unser letztes Dinner in Kuba ab. Da das holzvertäfelte Lokal bei Touristen und Kubanern ziemlich beliebt ist, kann es sein, dass man auf einen Tisch warten muss. Diese Erfahrung haben wir jedoch nicht gemacht und wurden sofort zu einem freien Platz geleitet.

Das Barrio Chino

Eingangstor zum Barrio Chino Havanna

Westlich von Centro Havanna befindet sich das chinesische Viertel, welches man eigentlich nur an dem großen chinesischen Tor erkennt, das gleichzeitig den Eingang markiert. Innerhalb des Viertels stößt man auf recht wenig chinesisches Flair. Einige Ying und Yang Zeichen an Wänden und der häufige Gebrauch von Lampions als Dekoartikel erinnern daran, dass man sich in Chinatown befindet. Hier wollten wir einen Tipp im Lonely Planet ausprobieren. Das Tien-Tan wurde als „eines der besten und authentischsten China-Restaurants von Havanna“ empfohlen und stellte sich als Reinfall heraus. Die Preise waren, im Gegensatz zum Essen, gesalzen, und auch die Qualität der Zutaten war eher mangelhaft. Fairerweise muss man hier sagen, dass wir nicht wissen wie die anderen China-Restaurants Havannas so sind, und ob das Tien-Tan darunter eines der besten ist, aber trotzdem ist es  nicht empfehlenswert.

Haus im Barrio Chino in Havanna.
Im Vergleich zum Barrio Chino bekommt man in der Altstadt Havannas, Havanna Vieja, einiges mehr geboten.

Havanna Vieja

Capitolio in Havanna

Havanna Vieja befindet sich östlich von Centro Havanna und ist fußläufig leicht zu erreichen und zu entdecken. Insgesamt ist das Innenstadtgebiet Havannas nicht wirklich weitläufig und man kann sich einfach durch die diversen Gassen treiben lassen. In Havanna Vieja befinden sich auch die meisten touristischen Attraktionen. Das wohl imposanteste Gebäude, welches das Stadtbild dominiert, ist das Capitolio. Leider war es bei unserem Besuch wegen Bauarbeiten geschlossen und wir konnten es nur von außen bewundern. Ein weiteres Highlight ist der Plaza Vieja, der von prächtigen Gebäuden mit unterschiedlichsten Baustilen umsäumt ist. Vom Plaza Vieja aus kann man sich seinen Weg durch die Calle Mercaderes bahnen, die zahlreiche Restaurants und sehr kleine Museen zu bieten hat, die sogar teilweise umsonst sind. Wir warfen einen Blick in das Feuerwehrmuseum (Museo de Bomberos) und in die Armería de 9 de Abril, einem ehemaligen Waffenladen, der von den Revolutionären gestürmt wurde.

Lässt man sich auf der Calle Mercaderes treiben, stößt man auf die Calle Obispo. Hier fahren, wie auf der Mercaderes, keine Autos, und das ist auch gut so. Zahlreiche Menschen tummeln sich auf der engen Straße zwischen kleinen Galerien, Souvenirlädchen und Restaurants. Hier gibt es auch eine Wechselstube, Cadeca genannt.

Auf unseren Stadtspaziergängen kreuzten wir immer wieder den Prado (Calle Jose Marti), ein von Löwen gesäumter Boulevard, auf dem zahlreiche Künstler ihre Werke zum Verkauf anbieten und Kindern Einblicke in ihre Arbeit geben.

Plaza de San Francisco de Asis in Havanna.
Eine weitere architektonisch aufregende Ecke ist der Plaza San Francisco de Asis, dessen Optik von einer wuchtigen Kirche und einem filigranen Brunnen, dem Fuente de los Leones bestimmt wird und in der Nähe des Hafens liegt.

Von diesem Hafen aus kann man eine Überfahrt nach Casablanca antreten und auf der gegenüberliegenden Wasserseite einige Zeit in dem mächtigen Fortaleza de San Carlos de la Cabaña verbringen. Außerdem hat man einen unverstellten Blick auf die facettenreiche Skyline von Havanna.

Skyline Havannas

Havanna bei Nacht

Bietet Havanna bei Tag schon eine Flut an Eindrücken, zeigt sich Havanna bei Nacht umso betörender. Livemusik strömt durch die Straßen und eigentlich jedes Restaurant verfügt über eine dort spielende Band. Durch Zufall kamen wir an einem schicken Restaurant vorbei, in welchem die „musikalische Nummer Eins Havannas“ (Zitat eines neuen amigos) heiße Rhythmen performte. Wir drückten uns zusammen mit zahlreichen Kubanern die Nasen an der Scheibe platt, um ein bisschen was von dem Spektakel aufzusaugen.

Nicht nur die Bars mit ihrer Livemusik sind ein guter Startpunkt für eine rauschende Nacht, sondern auch der Malecón, die Uferpromenade Havannas. Eine bunte Mischung aus Bewohnern Havannas und Touristen flaniert und trinkt hier was das Zeug hält. Zu Schauen gibt es auch hier immer etwas und folgt man dem Malecón lange genug, gelangt man nach Vedado, dem Ausgehviertel. Da wir nicht wirklich einen Plan hatten, welcher der zahlreichen Clubs um die Calle 23 empfehlenswert ist, ließen wir uns eine Weile mit diversen Cervezas aus den umliegenden Buden treiben. Irgendwann entschieden wir uns mal in einen Club reinzuschauen und landeten so im Club Amor (5 CUC Eintritt). Zufälligerweise war an diesem Abend eine Schwulenparty in diesem Club. Eine ausgedehnte Bühnenshow mit Sing- und Tanzeinlagen und divenhaften Dragqueens brachte die Stimmung zum Überkochen. Die Atmosphäre war entspannt und wir kamen mit ein paar Leuten ins Gespräch, die uns nicht einmal etwas verkaufen wollten. Berauscht von der Nacht und reichlich Rum spazierten wir in den frühen Morgenstunden nach Hause. Nachts betrunken und alleine nach Hause zu torkeln stellt in Havanna kein großes Risiko dar, denn die Stadt ist vergleichsweise sicher. Noch sicherer war jedoch der gigantische Kater, der uns am nächsten Tag heimsuchte.

Vedado bei Tag

Plaza de la Revolucion in Havanna.

Nachdem wir unsere Kopfschmerzen auskuriert hatten, stand eine Besichtigung Vedados bei Tag an. Das Viertel ist um einiges weitläufiger, grüner und schicker als die anderen Innenstadtbereiche. Nach einiger Zeit des Herumirrens erreichten wir den Plaza de la Revolucion. Eine Betonwüste, die von klotzigen Regierungsgebäuden umringt und von dem Memorial a José Martí dominiert wird. Die beachtliche Höhe dieses Monumentes macht es zum höchsten Gebäude von ganz Havanna. Auf der anderen Seite des Platzes bieten riesige Wandmalereien von Che Guevarra und Camilo Cienfuegos nette Fotomotive in der sie umgebenden Tristesse. Eher pompös als trist zeigt sich die Universität von Havanna, die sich ebenfalls in Vedado befindet. Schattige Innenhöfe und mit Säulen geschmückte Gebäude lassen mich als Kölner Studentin schon etwas neidisch werden.

Hotel Habana Libre in Havanna.
Wer sich für die zwielichtige Vergangenheit des Viertels interessiert, kann einen kurzen Abstecher zum Hotel Habana Libre machen, in welchem einst der berühmte Mafiosi Meyer Lansky und später auch Fidel Castro in der Präsidentensuite logierten. Die Optik erinnert wieder eher an einen Plattenbau und in den oberen Etagen haben sich mittlerweile Geier eingenistet, die um das Hotel kreisen. Schöner ist da schon das Hotel Nacional, das man bereits vom Malecón aus bewundern kann und welches sich mittlerweile zu einem kleinen Wahrzeichen Havannas gemausert hat. Vedado bietet einen starken Kontrast zu den restlichen Innenstadtvierteln durch seine Architektur und seine lockere Bebauung sowie das großstädtischere Flair. Eine Besichtigung Vedados lohnt sich meiner Meinung nach jedoch nur, wenn man einige Tage für Havanna zur Verfügung hat. Ansonsten gibt es in Centro Havanna und Havanna Vieja schon mehr als genug zu bestaunen.
Hotel Nacional in Havanna
Anhand der Länge dieses Artikels lässt sich vielleicht schon ablesen, dass Havanna einen für einige Zeit verschluckt und mit seinem Zauber belegt, um einen dann beim Verlassen der Stadt wieder verwundert auszuspucken. Daher sollte für einen Besuch ausreichend Zeit eingeplant werden, denn diese Metropole ist zu vielschichtig und ungestüm, um sie in nur wenigen Tagen fassen zu können (falls dies überhaupt möglich ist).  Wir hatten den mit Abstand längsten Aufenthalt unserer Reise durch Kuba in Havanna und haben jeden Tag, auch ohne viele Museen besucht zu haben, Neues entdeckt und uns über vieles gefreut, geärgert und gewundert. Es ist ein magischer Ort, der einen zum Staunen bringt und keinen gleichgültig zurücklässt.

Zusammenfassung
Schillerndes Havanna
Artikelname
Schillerndes Havanna
Beschreibung
Havanna, die Hauptstadt Kubas, lässt sich schwer in Worte fassen. Es ist eine lebendige, stets pulsierende Metropole voller Musik und Stimmengewirr.
Autor
Erschienen auf
Worldonabudget
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