Das Leben leichter machen

By | 12. Februar 2016

Hättest du mich vor fünf Jahren gefragt, was mein größtes Ziel für die Zukunft wäre, hätte ich nicht lange über meine Antwort nachdenken müssen. Mit ziemlicher Sicherheit hätte ich dir von meinen Plänen erzählt, dass ich zunächst beruflich erfolgreich werden muss, um möglichst viel Geld zu verdienen. Den ganzen Rest kann und muss man sich ja schließlich kaufen. Zum Glück verändern wir Menschen uns aber im Laufe der Zeit und die Wichtigkeit des Besitzes von Statussymbolen rückte bei mir mehr in den Hintergrund.

Würdest du mir dieselbe Frage heute wieder stellen, hätte ich vermutlich keine so konkrete Antwort wie noch vor fünf Jahren parat. Wie es zu diesem Sinneswandel kam, möchte ich dir im Folgenden erläutern. Ob ich meiner etwas hochtrabenden Überschrift wirklich gerecht werden kann, wird sich zeigen, aber ich werde mein Bestes geben, um dir wertvolle Anregungen für ein „leichteres“ Leben zu liefern.

Was ist zu viel Ballast?

Bevor ich diese Frage im größeren Maßstab behandeln werde, möchte ich eine für mich gültige Antwort in Bezug auf das Reisen entwickeln. Ähnlich wie die Einstellung zum Leben unterliegt auch die Einstellung zum Reisen einem ständigen Wandel. Während mein Urlaub früher möglichst günstig und mit viel Party ausgefüllt sein musste, reizen mich heute eher exotischere Ziele und die zugehörige Kultur. Daher hat es mich damals häufig an die klassischen Ziele in Spanien (Lloret, Mallorca, etc.) verschlagen, ohne dass ich je besonders viel von Spanien gesehen oder die Kultur besser kennengelernt habe. Schon traurig, denn ich habe lediglich in einem von acht (!!!) Urlauben wirklich etwas über Spanien gelernt.

Zur Vereinfachung werde ich mich zur Betrachtung des optimalen Reisegepäcks auf einen normalen Sommerurlaub beschränken (d.h. Urlaub in einer warmen Region ohne irgendwelche zusätzlichen Aktivitäten wie Surfen, Wandern, o.ä.). Meiner Erfahrung nach kannst du hier fast gar nicht zu wenig Gepäck dabei haben. Wollte ich früher noch für so ziemlich jede Eventualität gewappnet sein, habe ich mir heute eine deutlich entspanntere Haltung angewöhnt. Die meisten Dinge kannst du auch im Zweifel vor Ort nachkaufen – und oft wirst du das nicht machen. Vergleiche einfach mal, wie oft du etwas wirklich Wichtiges vergessen hast, und wie oft dir nach einer Reise aufgefallen ist, dass du die Hälfte deiner Sachen während der Reise noch nicht mal ausgepackt hast. Dachte ich es mir doch!

Handgepäck: die Not zur Tugend machen

Speziell bei kürzeren Trips mit den sog. Billig-Airlines reise ich nur noch mit Handgepäck. Zum einem natürlich wegen den Kosten, aber zum anderen auch wegen dem leichteren Ballast vor Ort. Mein persönlicher Rekord liegt bei zehn Tagen Marokko mit Handgepäck, obwohl ich selbst da noch zu viel eingepackt hatte (und das im Februar). Für einige von euch mag das der Standard sein, während es für andere wie ein Ding der Unmöglichkeit klingt – jeder Mensch ist nunmal anders. Trotzdem gibt es einige allgemeingültige Dinge, die in keinem Koffer/Rucksack für den Sommerurlaub fehlen dürfen:

  • Zahnbürste + Zahnpasta (nebenbei gemerkt sind viele Zahnpastatuben nicht größer als 100 ml – also perfekt geeignet für das Handgepäck)
  • Medikamente (wobei die meisten verschreibungsfreien auch noch unterwegs recht günstig gekauft werden können)
  • Handwaschmittel (dadurch kannst du die Anzahl an Unterwäsche, Shirts, etc. deutlich reduzieren)
  • Duschgel und Sonnenmilch
  • 5 – 7 Mal Unterwäsche + Socken
  • feste Schuhe, lange Hose, warmer Pulli + leichte Jacke (würde ich während des Fluges anziehen und ggf. das Zwiebelprinzip nutzen)
  • Flip-Flops oder Badelatschen
  • 2 Shorts + 1 Badehose/Badeanzug
  • bis zu 5 Shirts
  • Sonnenbrille + Mütze als Sonnenschutz
  • Handtuch (möglichst aus Mikrofaser)
  • dank Stefan werde ich demnächst auch eine leere Plastikflasche im Gepäck haben

Mit dieser (sehr kurzen) Packliste solltest du für einen Sommerurlaub das Nötigste dabei haben und zusätzlicher Platz für individuelle Sachen ist ausreichend vorhanden.

Übertragung auf den Haushalt 

Nun möchte ich aus meiner Erkenntnis, dass beim Reisen weniger oft mehr ist, versuchen, eine Parallele zum alltäglichen Leben herzustellen. Daher werde ich meine Überlegungen zum Reisegepäck auf den für mich optimierten Haushalt zu übertragen. Zugegebenermaßen gelingt dies auf Anhieb nicht so gut. Die Größe und das Gewicht einer Reisetasche sind nunmal greifbarer. Der Ansatz soll jedoch der gleiche sein: Wie kann ich meinen Ballast auf der „Reise des Lebens “ minimieren und was brauche ich wirklich? Diese Fragen stellte ich mir zum ersten Mal wirklich bewusst, als unsere Vorbereitungen für eine Langzeitreise langsam konkrete Formen annahmen.

Passt mein materielles Leben in maximal fünf Umzugskartons?!

Ja, das ist mein Ziel! Bevor ich mich Mitte Mai in den Flieger Richtung Kuba setze und Deutschland für vorerst unbestimmte Zeit verlasse, möchte ich mein Hab und Gut auf das absolut Notwendigste reduzieren. Hierbei handelt es sich um einen sehr radikalen Ansatz, wie ich finde. Zugutekommt mir sicherlich meine aktuelle Wohnsituation, da in einer Wohngemeinschaft große Dinge wie Waschmaschine und Küche oft Gemeingut sind, für die maximal noch ein kleiner Abschlag kassiert wird. Meine Möbel haben zum Teil schon mehrere Umzüge mitgemacht und sind aufgrund ihrer schlechten Qualität (danke Ikea) höchstens noch ein Fall für den Sperrmüll. Lediglich eine Ledercouch und meine Matratze werde ich noch verschenken, bzw. verkaufen.

Die 1-Jahres-Regel für Klamotten

Viele werden die genannte Regel wahrscheinlich kennen, aber nur wenige wenden sie konsequent an:

Miste alles aus deinem Kleiderschrank aus, was du mindestens ein Jahr nicht mehr getragen hast!

Versuche dich nicht selbst auszutricksen, weil du ja alles bestimmt irgendwann nochmal anziehen wirst oder gebrauchen kannst – wirst du nämlich nicht!

In meinem bisherigen Leben habe ich meinen Schrank doch immer nur sehr halbherzig aussortiert. Die meisten Sachen werde ich sicherlich bei irgendeiner Gelegenheit brauchen, habe ich mir gedacht. Dass dies kompletter Schwachsinn ist, ist mir erst aufgefallen, nachdem ich mich (schweren Herzens) von mindestens der Hälfte des Inhalts meines Kleiderschranks getrennt hatte. Seit dieser großen Aufräumaktion vor ungefähr neun Monaten habe ich keine aussortierten Sachen vermisst. Und auch hier gilt: Solltest du trotzdem etwas benötigen, kannst du dies in aller Regel problemlos nachkaufen. Genügend Geld sollte durch den Verkauf deiner alten Sachen auf dem Flohmarkt, bei Ebay oder bei Kleiderkreisel vorhanden sein. Oder du verschenkst die Sachen an Bedürftige – ganz so wie du magst.

Ein Besuch auf dem Flohmarkt 

Nachdem du nun vermutlich kistenweise alte Klamotten aussortiert hast, lohnt sich auch ein Blick auf alle sonstigen Dinge deines Haushaltes. Was verstaubt seit Jahr und Tag in deinen Schubladen, deinem Keller oder deinem Dachboden? Brauchst du das alles wirklich? Stelle alles auf den Prüfstand!

Auch hier empfehle ich einen möglichst radikalen Ansatz. Ich kann nur von mir sprechen, aber ich konnte unheimlich viel aus meinem ohnehin schon geringen Besitz ausmisten. Viele Sachen wanderten direkt in den Müll, aber einiges wirst du auch noch auf einem Flohmarkt oder bei Ebay zu Geld machen können. So war ich doch sehr überrascht, für was die Leute noch Geld bezahlen. Ein kleines Beispiel: Ich erhielt für einen seit mehreren Jahren defekten IPod, der sich noch nicht mal mehr anschalten ließ, immerhin einen Euro. Wahrscheinlich ein lukratives Geschäft für den Käufer aufgrund der Ersatzteile, aber bei mir wäre er noch einige Zeit in der Schublade verstaubt, bis ich mich erbarmt hätte, um ihn endlich im Müll zu entsorgen. Bis auf wenige Erinnerungsstücke und wirklich wichtige Dinge habe ich somit nichts behalten.

Meine Bücher behalte ich

Zuerst wollte ich mich von keinem meiner Bücher trennen. Daher traten diese auch nicht den Weg zum Flohmarkt mit an. Irgendwann nach Weihnachten kam dann doch der Sinneswandel und mein Entschluss, mich von einem Großteil der Bücher zu trennen, stand fest. Nachdem ich nur einige Bücher, von denen ich mich aus diversen Gründen nicht trennen konnte, behalten wollte, suchte ich nach einer Möglichkeit die aussortierten Bücher loszuwerden. Zunächst dachte ich an einen öffentlichen Bücherschrank. Nach etwas Recherche entschied ich mich dann doch für Momox, die fast alle meiner Bücher ankauften und mir zudem akzeptable Preise boten.

Fazit zum „leichteren“ Leben 

Erstaunlicherweise war es ein unheimlich befreiendes Gefühl meinen Besitz nach und nach zu verkleinern. Rückblickend wurde daraus fast eine kleine Sucht und ich fand immer neue Dinge, die ich nicht mehr wollte. Ob ich mein Ziel erreiche und mein Besitz in knappen drei Monate wirklich in wenige Umzugskartons passt, wage ich noch zu bezweifeln, aber viel mehr wird es halt auch nicht werden. Als netten Nebeneffekt konnte ich so übrigens einige hundert Euro verdienen und für meine Reise beiseitelegen. Abschließend kann ich nur jedem empfehlen, seinen materiellen Besitz mal genauer unter die Lupe zu nehmen, denn letztlich sind wir auf unseren ganzen Konsum und den daraus resultierenden Besitz nicht angewiesen! Ähnlich wie der ganze Ballast, den wir stets beim Reisen mit uns herumtragen.

– Dieser Artikel ist Teil der Blogparade zum Thema „mit leichtem Gepäck“ auf Reiseum. –

12 thoughts on “Das Leben leichter machen

  1. Jean

    Hallo Christian,
    besonders, da du ja bald auf Weltreise gehst, finde ich die Tipps zum Loswerden von überflüssigem Kram echt super. Bei mir würden 5 Umzugskartons nicht reichen, aber das ist natürlich auch eine ganz andere Perspektive, wenn man eher sesshaft ist 😉 Auf jeden Fall wünsche ich euch schon mal viel Spaß auf Kuba! Ich habe deinen Beitrag über die Blogparade gefunden.
    Liebe Grüße, Jean
    http://jean-abovetheclouds.com

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    1. Chris Post author

      Hallo Jean,
      lieben Dank für deinen netten Kommentar 🙂 Einen schönen Blog hast du übrigens! Ich werde dann hier von Kuba und unseren Abenteuern berichten.

      Liebe Grüße
      Christian

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  2. Sarah von Fashion-Library

    Klasse, dass du mit einem gewissen Minimalismus leben kannst.
    Ich selbst habe Stücke, die mir besonders wichtig sind, die ich nie weggeben würde, die auch teilweise schon antik sind. Neue Dinge müssen entweder hübsch und günstig sein, weil man sie irgendwann wieder aussortiert oder eben von hoher Qualität und teurer, weil man sie ein langes Leben behalten will.
    Von vollstellen der Wohnung halte ich nichts. Dewegen ist ausmisten angesagt, auch im Kleiderschrank.
    Nur meine Bücher, die sammel ich und häufe ich gerne an 🙂

    PS. Viel Spaß auf deiner Reise!

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    1. Chris Post author

      Auch ich besitze Dinge, die ich nicht mehr weggeben will. Bei meinen Büchern war ich mir zuerst auch sehr unsicher, aber letztlich habe ich nur eine handverlesene Auswahl behalten. Ich kaufe Bücher übrigens in 95% aller Fälle gebraucht, um Kosten zu sparen. Wenn du hierzu Links benötigst, einfach Bescheid geben 🙂

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  3. Julie

    Hallo Christian,
    ein ganz toller Post bei dem ich mehrere Male während des Lesens zustimmend nicken musste. Vor allem deine „Einleitung“ mit den Zukunftswünschen finde ich toll, da es bei mir grade genauso ist. Ich würde jetzt auch etwas ganz anderes antworten als noch vor 5 Jahren. Daran merkt man, dass man sich weiter entwickelt und „reifer“ wird (so doof das manchmal klingt, aber es ist tatsächlich so). Ich für meinen Teil, war jetzt nie der Fan von Partyurlauben, aber mittlerweile achte ich trotzdem viel mehr auf das, was jenseits der „Touristenplätze“ liegt und konnte so schon wunderbare Freundschaften schließen. 🙂 Wie gesagt, ein toller Beitrag! 🙂

    Liebste Grüße,

    Julie

    Reply
    1. Chris Post author

      Hallo Julie,
      vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar. Freut mich, dass du dich wiederentdecken konntest! Und viel Spaß bei deinem nächsten Urlaub – hoffentlich mit leichtem Gepäck 😉

      Liebe Grüße
      Christian

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  4. Jana

    Hallo Christian,

    sehr spannend deine Beitrag und die Quintessenz daraus. Ich dachte – bevor ich deinen Artikel gelesen habe – das ich bewusst meine Koffer packe bzw. daheim ausmiste. Nun weiß ich, da ist noch ganz viel Luft nach oben.

    Danke für die Inspiration und den Mut, das weniger mehr sein kann.

    Mit sonnigen Grüßen
    Jana

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    1. Chris Post author

      Hallo Jana,
      danke für deine netten Worte und gern geschehen! Und viel Spaß beim Spaziergang durch deinen Haushalt 🙂 Deine Seite werde ich mit Sicherheit hin und wieder mal aufrufen, da ich deine Beiträge sehr interessant finde.

      Liebe Grüße
      Christian

      Reply
  5. Martin

    Ich bin gespannt wie deine Reise verlaufen wird. Ich denke genau der Wandel hin von Partyurlauben zu Erlebnisurlauben ist etwas, dass viele mitmachen. Ich auch.

    Die Idee deine Sachen in 5 Kartons zu packen finde ich toll!!!

    ich mache derzeit meine Doktorarbeit uns fliege alle paar Wochen ins Ausland und versuche den Spagat zwischen den beiden Welten zu absolvieren!!

    Gerne würde ich mit dir für meinen Blog ein Interview machen, wenn du in Kuba die ersten zwei Wochen erlebt hast und wie sich deine Erwartungen entwickeln 🙂

    Liebe Grüße,
    Martin

    Reply
    1. Chris Post author

      Hallo Martin,

      vielen Dank für deinen netten Kommentar. Stillstand ist ja letztlich auch immer ein Rückschritt. Daher bin ich ebenfalls gespannt, wie unsere Reise verläuft und wie ich mich ggf. dadurch verändere.

      Die Idee mit dem Interview finde ich super und stehe dir gerne zur Verfügung! Allerdings machen wir das vermutlich besser erst nach dem Aufenthalt in Kuba, da ich wahrscheinlich kein/kaum Internet zur Verfügung habe. Ab dem 01.06. sind wir nämlich in Mexiko 🙂

      Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Doktorarbeit und noch einen schönen Sonntag!

      Liebe Grüße
      Christian

      Reply
  6. Gina

    Hallo Chris,

    wir sind jetzt seit fast drei Monaten unterwegs und da merkt man schon ganz praktisch, mit wie wenig Zeug man auskommt. Zwei Hosen, ein paar Shirts, für eine Woche Unterwäsche und Socken reicht völlig. Am meisten Platz nehmen die warmen Sachen ein, aber Fleeces und Daunenjacke sind hier im Andenhochland auf jeden Fall angebracht. Allerdings läuft man dann auch mal ziemlich verdreckt rum, was man Zuhause eher nicht tun würde.;-)
    Deine Erfahrungen mit momox (und ähnlichen Anbietern) kann ich nicht teilen: mir wurden meist nur Preise von ein bis wenigen Cent angeboten, wenn überhaupt. Da spende ich die Bücher lieber an einen Bücherschrank.
    Liebe Grüße aus Peru,
    Gina

    Reply
    1. Chris Post author

      Hallo Gina,

      da hast du vollkommen recht. Während unserer drei Wochen auf Kuba habe ich gerade mal drei verschiedene Shirts angehabt. Ist in der Tat ab und zu etwas eklig und Zuhause würde ich so sicherlich nicht rumlaufen. Warme Kleidung habe ich übrigens in einem Vakuumbeutel – ich hoffe, wir schaffen es noch bis nach Peru während unseres Trips, damit ich diese auch mal gebrauchen kann 😉

      Vielleicht habe ich auch einfach Glück gehabt mit Momox. Da waren halt noch einige Unibücher dabei. Hab zwar kein Vermögen von denen bekommen, aber ein Extra-Reisetag ist es dann doch geworden 🙂

      Liebe Grüße nach Peru aus Mexiko
      Chris

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